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Fremde und Ambivalenz : Die Fremdheit als literarischer Topos im Werk Christa Wolfs, Im Vergleich mit Thomas Bernhard 원문보기

  • 저자

    정미경

  • 학위수여기관

    Freie University Berlin

  • 학위구분

    국외박사

  • 학과

    독어독문학

  • 지도교수

  • 발행년도

    2003

  • 총페이지

    184p.

  • 키워드

    Christa Wolf Thomas Bernhard Ambivalenz;

  • 언어

    ger

  • 원문 URL

    http://www.riss.kr/link?id=T10076951&outLink=K  

  • 초록

    크리스타 볼프의 인물들은 자신들이 속한 사회에 대해 낯설음을 느낀다는 점에서 공통적이다. 〈어디에서 설 땅은 없다 (1979)〉에서 클라이스트와 귄더로데는 소수 특권층이 모이는 차 모임에 참여하지만 그 자리에 모인 다른 사람들로부터 소외된다. 또 인물들의 소외감과 소속감의 상실은 〈카산드라 (1983)〉와 〈메데아 (1996)〉에까지 이어지는데 이 점에서 볼프의 인물들은 '국외자'와 동일시될 수 있는 넓은 의미의 '이방인'으로 규정될 수 있다. 하지만 〈카산드라〉에서 〈메데아〉로 옮아가는 동안 인종적 의미의 '이방인'도 주요한 문제로 부각되므로, 볼프에게 있어 이방인은 두 가지 의미, 즉 국외자로서의 이방인과 인종적 의미의 이방인을 모두 포괄하고 있다. 한편 자신의 국가 오스트리아에서 스스로 국외자로 느꼈던 토마스 베른하르트에게서도 낯설음의 문제는 주요한 테마가 되고 있다. 특히 그의 작품 〈네 (1978)〉는 두 남녀 이방인의 만남과 헤어짐이라는 비슷한 골격에서 볼프의 〈어디에도 설 땅은 없다〉과 비교될 수 있다. 〈네〉에서의 이방인도 국외자로서의 의미뿐만 아니라, 인종적, 문화적 차이에서 오는 이방인의 의미를 포함하고 있다. 사회학자 바우만에 의하면 이방인은 근대의 문제를 함축하고 있다. 근대의 목적은 질서의 창출이고, 그 과정에서 '법칙을 부여하는 이성'이 결정적인 역할을 한다. 이 때 근대에 의해 계획된, 인위적인 질서는 모든 것을 범주화하려는 노력에 다름 아니라는 것이다. 그래서 근대의 질서란 바로 모든 것을 하나의 명료한 개념으로 정의하는 것인데, 그것은 동시에 이중적인 의미를 갖는 것, 애매모호한 것, 즉 양가성을 배제함을 뜻한다. 하지만 질서를 부여하려는 근대 이성의 노력은 끊임없이 양가성을 부산물로 만들어낼 따름이다. 그래서 결국 애매모호함, 모순, 다의성, 미결정된 것, 양가성 따위가 '질서의 타자'로 나타나게 된다. 바우만의 이론과 볼프의 이방인이 만나는 지점은 바로 이방인이 갖는 특수한 기능에 있다. '어떠한 입장에도 감정이입할 수 있음'으로 인해 이방인은 이미 한 사회에 뿌리를 내린 내국인들에게서는 허용되지 않는 '선택의 가능성'을 가진다는 면에서 국외자의 특수한 기능을 갖기 때문이다. 이방인의 양가적 특성에 대해서는 일찍이 짐멜도 주목하고 있었다. 그는 이방인을 '오늘 와서 내일 머무르는 자'라고 정의하고 그 특성을 '가까움과 멂의 합'으로 정식화했다. 즉 이방인은 한 사회의 내부에 있으면서 외부의 시각으로 그 사회를 바라볼 수 있다는 것이다. 그렇게 해서 이방인은 한 사회의 규범적 질서에 얽매이지 않고, 그 사회 구성원들이 무비판적으로, 당연하게 받아들이는 기존의 규범과 사고방식을 문제 삼을 수 있다. 그런 한에서 이방인은 한 사회를 평가하는 시금석으로 평가될 수 있다. 양가성에 주목해야 하는 또 하나의 이유는 그것의 근대 주체의 불확실성과 관련을 맺고 있기 때문이다. '더 이상 자신의 집에서 주인으로 군림할 주체가 없다'는 발덴펠스의 지적은 근대 주체의 불확실성과 근대질서에 대한 반성에 근거하고 있다 발덴펠스는 근대의 질서를 선택적이고 배타적인 것으로 보고 그 질서로부터 벗어난 것에서 '낯선 것'이 생겨난다고 설명한다. 사회학적 방법론이 '이방인'의 역할과 기능을 양가적인 것으로 자리매김하고 있다면, 정신분석학에서는 '낯선 것'이 사람들에게 불러일으키는 양가적인 감정에 대해 분석하고 있다. 프로이트는 '낯선 것'을 의식에 의해 억압된 것으로 보고 이런 의미에서 낯선 것을 '자아에 대한 외국, 즉 내면의 외국'으로 비유했다. 결국 낯선 것은 의식에 의해 감히 인식되지 못한 것을 담지하고 있다는 점에서 여러 면에서 무의식과 일치하는 부분이 많고, 곧 '친숙한 것'일 수 있다는 것이다. 낯선 것이 불러일으키는 양가적인 감정, 즉 불안함과 이끌림은 바로 여기에 기인하고 있다. 여기서 이방인에게도 해당될, '낯선 것'의 두 가지 기능을 볼 수 있는데, 바로 낯선 것이 문화적 상황을 변화시키도록 개개인을 자극할 수 있는 유혹이 되기도 하지만, 기존의 상황을 보존하도록 강요하는 위험이 되기도 하는 것이다. 전자의 가능성이 이방인이 갖는 긍정적 기능, 즉 정체된 사회에 변화를 가져올 수 있다는 점을 가리킨다면, 두 번째 경우는 이방인에 대한 두려움과 거부감으로 귀결된다. 볼프와 베른하르트에게서는 물론 이 두 가지 측면이 모두 나타나는데 그것은 바로 이 양가성이 곧 이방인의 속성이기 때문일 것이다. 크리스테바는 이방인을 '이데올로기적, 사회적 변화의 원동력을 활성화시키기 위해 우리가 우리들 자신에 대해 취해야 할 거리감의 메타포'로 정의하는데, 이는 두 작가에서 보이는 이방인의 시각을 여러모로 함축하고 있다.


    Hinsichtlich der drei Entwicklungsphasen der DDR-Literatur, die Emmerich in seiner Literaturgeschichte als ,Gesinnungsästhetik`, ,Sinngebung` und ,Sinnkrise identifiziert, sind die drei Texte Wolfs, die im vorangegangenen analysiert wurden, in der letzten Phase anzusiedeln. Allerdings ist Medea in der Zeit entstanden, als die Geschichte Deutschlands bereits eine neue Wendung genommen hatte. Christa Wolfs Versuch, in der Sinnkrise einen neuen Sinn zu finden, setzt sich jedoch auch in diesem Werk fort, und zwar sogar heftiger als bisher. Im Nachsinnen darüber, wie die DDR-Literatur neu gelesen werden kann, stehe ich dafür, sie als einen ästhetischen Gegenstand zu behandeln und zu bewerten. Sowohl jeglicher ideologische Bonus für die Literatur aus der DDR als auch die aus der Gleichsetzung von Autor und Werk resultierende Geringschätzung verstellen den Blick auf das Wesentliche: Vielmehr ist zu fragen, wie der Text selbst sich präsentiert. Bei diesem unvoreingenommenen Rereading ihrer Werke fällt als deren grundlegende Gemeinsamkeit auf, daß die meisten Protagonisten bei Wolf als Fremde anzusehen sind und die Fremdheit bei ihnen als eine wichtige Voraussetzung für Erkenntnis fungiert. In meiner Analyse erweist sich die Ambivalenz der Fremden als Waffe, mit Hilfe derer Wolf die instrumentalisierte Vernunft kritisiert. Die Ambivalenz der Fremden stellt die Eindeutigkeit und die Ordnung der Moderne in Frage, da die Fremden diejenigen sind, die deren dichotomische Klassifikation durchbrechen. Sie befinden sich innerhalb eines bestimmten gesellschaftlichen Kreises, sind aber nicht verbunden mit dem in ihm herrschenden Kodex. Diese geistige Beweglichkeit ermöglicht es den Fremden, die bestehende Norm zu hinterfragen, indem sie mit der Sicht von Außen her das ihnen fremde System betrachten. Auf diese Weise wird die Fremdheit zu einem notwendigen Umweg zur Einsicht. Die Fremden repräsentieren hier das Andere der Vernunft, indem sie verkörpern, was in der —nicht als Begriff einer Epoche, sondern als Prinzip der Modernisierung verstandenen— Aufklärung unterdrückt und ausgeschlossen wird. Daher erscheinen die Fremden als Kranke, Frauen und schließlich als Fremde im ethnischen Sinne: Kleist und Kassandra gehören zu den Fremden, die als Kranke oder als Wahnsinnige aus dem Diskurs der Herrschaft ausgeschlossen werden; Günderrode und die Perserin in Ja sind der doppelten Fremdheit als Frauen ausgesetzt; Medea und die Perserin schließlich vertreten die ethnischen Fremden, die wegen ihrer Andersartigkeit als menschlich unterlegen beurteilt und verbannt werden. Gemeinsam ist all diesen Figuren, daß sie als Kehrseite einer ,selektiven, exklusiven` Vernunft erscheinen. Wolfs Kritik an der Moderne liegt nicht nur in der Gestaltung der Fremden, sondern auch in der Warnung vor der männlichen Aufklärung: Die machtbesessenen Männer gehen einen selbstzerstörerischen Weg. In Kassandra werden die Helden der Antike herabgesetzt; in Medea fällt das männliche Denken, das sich der instrumentalisierten Vernunft verschrieben hat, durch Menschenopfer in die Barbarei zurück. Diese Enthüllungen sind durch den beobachtenden Blick der Fremden möglich. Allerdings ist nicht zu übersehen, daß sich Wolf um eine Relativierung ihrer Kritik bemüht, indem sie auch vor der Blindheit warnt, die aus der Verneinung der Vernunft folgen könnte: Die Enthemmung des Unterdrückten erzeugt ihrerseits Gewalt, wie im Beispiel von Penthesilea in Kassandra und der kleinen Gruppe der Kolcherinnen in Medea. Dagegen bietet sich der dritte Blick als Alternative an. Von einem dritten Blick ist in Kein Ort. Nirgends zwar noch nicht die Rede aber die Frage nach der dichotomischen Perspektivierung von ,Kultur-Natur`, ,Ökonomie-Literatur` und ,Mann-Frau` treibt beide Protagonisten, Kleist und Günderrode, in die Spaltung. In Kassandra entdeckt dann die Protagonistin unter Schwierigkeiten die fremde Stimme, die als Übergangsform zum dritten Blick verstanden werden kann. Die fremde Stimme steht im Konflikt zwischen dem Eigenen und dem Fremden, und Kassandras neue Stimme, die ,Nein` sagt, ist als Versuch einer Überwindung dieses Konflikts zu verstehen. Erst in Medea geht die fremde Stimme in den dritten Blick über. Diesmal ist die Grenze zwischen dem Eigenen und dem Fremden klar und konkret, um so deutlicher verweigert Medeas dritter Blick diese Grenze. Damit richtet sich Wolf gegen die Differenz, die Differenz der Kultur und des Geschlechts, was wohl etwas mit ihren realen Erfahrungen in jener Zeit zu tun hat. Dennoch scheint der Versuch der Autorin, die Denkweise des Entweder-Oder zu kritisieren, nicht ganz zu gelingen, da sie selbst noch dem dichotomischen Urteil in der Gegenüberstellung von Gut und Böse verhaftet ist: Die schematische Gegenüberstellung der ,guten`, unterdrückten Protagonisten und der ,schlechten` Seite der Herrschenden ist bei Wolf typisch: Der Konflikt zwischen Kassandra und dem Palast, zwischen Medea und den Korinthern lassen sich hier als Beispiele anführen. In der scharfen Gegenüberstellung des Bösen und des Guten ist die Autorin dem Leser während der Lektüre ständig präsent. Es dürfte kein Zufall sein, daß in Wolfs Werken inuner wieder Helden in Erscheinung treten. Die Helden, deren Pflicht es ist, die Realität richtig zu erkennen und die dadurch einen besseren Weg weisen können, sind aber von anderer Art als die Helden im Sinne des sozialistischen Realismus. Wolfs Helden sind zwar positive Figuren, die aber dennoch schwanken und scheitern, während der sozialistische Held ein Vorbild darstellen soll. Wolfs Helden sind eher Fremde, deren Heldentum nicht zur Wir-kung kommt. Trotz dieser Wirkungslosigkeit ist das Heldentum der Fremden unverzichtbar, da Wolf auf die letztendliche Wiederherstellung der Moralität abzielt: Die Fremden setzen sich auf ihre Weise mit der Verderbnis der Gesellschaft auseinander, und das führt zu ihrer Opferung. Die Folge sind Leiden und Schmerzen der Figuren. Der Leser gewinnt den Eindruck, sich von den Belehrungen der Autorin leiten lassen zu sollen und fühlt sich gezwungen, mit den Figuren mitzuleiden. Hier erweist sich die Wirkung dieser Lehrhaftigkeit als problematisch, zumindest bei solchen Lesern, die den Autor nicht mehr als Erzieher akzeptieren. Thomas Bernhards Interesse an dem modernen Symptom der ,Fremdheit` bildet einen Berührungspunkt mit Christa Wolfs Werk. Das Außenseitertum bei Bernhard kontrastiert aber mit dem bei Wolf dadurch, daß er diese Thematik mit einer größeren Distanz behandelt. Auch Bernhard entblößt die kalte Realität mit Hilfe der Fremden, aber die Ernsthaftigkeit wie bei Wolf ist bei ihm nicht zu finden. Vielmehr wird hier mit dem Phänomen der Fremdheit selbst experimentiert und gespielt. So kommt es beispielsweise vor, daß sich in Ja die Fremdheit zur Vertrautheit wandelt — und auch die abrupte Wandlung in die umgekehrte Richtung wird geschildert. Hier gibt es keine Behauptung, kein Urteil des Autors. Der Leser begegnet auch keiner Person, mit der er, wie bei Wolf, mitzuleiden hätte. Dies wirkt auf den Leser verstörend, verschafft ihm aber gleichzeitig mehr Freiraum, um selbst einen Sinnzusammenhang zu finden, obwohl dieser Sinn schließlich wieder negiert wird. Bernhard hat bewußt eine Leerstelle in den Text eingeschoben, an der die Reflexion des Lesers einsetzen kann. Dadurch scheint die verborgene Absicht des Autors effektiver zur Wir-kung zu kommen. Die Abneigung gegen die Fremden, die unbegründete Ausländerfeindlichkeit in Ja wird bloßgestellt mit dem Ziel, in entgegengesetzter Richtung an den Leser zu appellieren. Und das Alleinsein des Naturwissenschaftlers, der sich nur seiner wissenschaftlichen Arbeit widmet und dadurch in eine lebensbedrohliche Kontaktlosigkeit gerät, zeigt beispielhaft die Entfremdung in der Moderne, die auf einen Weg des einseitigen, brüchigen Fortschritts führt. Wolfs Schreiben ist als ein wichtiger Beitrag zur Zivilisationskritik in der DDR-Literatur zu betrachten. Es handelt sich um die Reaktion der Literatur auf eine vorn Wahn der instrumentalisierten Vernunft okkupierte Gegenwart. Allerdings wird dabei vorausgesetzt, daß der Sozialismus gleichzeitig einen Prozeß der Selbstvernichtung der Vernunft betreibt. Wo die neuere, reformsozialistische Literatur in ein Dilemma zwischen dem realen und dem utopischen Sozialismus geraten ist, erzählt Wolf, auf ihre Weise, in der Gestaltung ihrer Fremdenfiguren davon. In die Ambivalenz der Fremden ist auch die widersprüchliche Einstellung der Autorin ihrem Land gegenüber projiziert. In Wolfs reformsozialistischem Schreiben ist ein Widerspruch in der Einstellung vorprogrammiert: zwischen der Kritik an dem DDR-Regime und der utopischen Vision. Das Pendeln der Figuren zwischen der institutionellen Macht und den persönlichen Wünschen verweist auf diesen Widerspruch. Wolfs Fremde sind daher als Symptombeschreibung der späten DDR-Gesellschaft und ihres gescheiterten Konzepts vom ,neuen Menschen' zu lesen. In der Art und Weise seiner Kritik an der kalten Vernunft läßt sich Bernhard mit Wolf vergleichen. Während Bernhard sich die Strategie zu eigen macht den Geist —als sei er ohne Körper— agieren zu lassen und die Rationalisierung zu übertreiben, versucht Wolf nach einer möglichen, anderen Aufklärung zu tasten, indem sie der instrumentalisierten Vernunft das Andere der Vernunft gegenüberstellt und die Möglichkeit einer Ergänzung aufzeigt. So werden die Weiblichkeit und die Natur einschließlich des Körpers bei Wolf neu entdeckt und betont. Dagegen übertreibt Bernhard die Herrschaft der Vernunft und den Ausschluß der Natur. Der Vergleich dieser beiden Schriftsteller zeigt, wie unterschiedlich der gesellschaftliche Eingriff mittels Kunst ausfallen kann. Wolf geht von einer be-stimmten Idee aus und zielt auf eine andere Ordnung ab, was sich aber als problematisch erweisen könnte: Ist diese andere Ordnung nicht bloß eine neue Form der Herrschaft? Erzeugen das Gegenmodell oder die Gegenmoral, die mit dem dominanten Wirklichkeitsmodell in Kontrast stehen, nicht wieder eine andere Dichotomie? Solche Fragen drängen sich auf. Dagegen beharrt Bernhard nicht mehr auf der Möglichkeit, die Wirklichkeit zu verändern. Obwohl auch ihm die Realität als bruchstückhaft vorkommt, verzichtet er auf die weitere Sinngebung; er läßt im Gegenteil seinen Text in die Absurdität münden. Aus diesem Vergleich beider Autoren heraus läßt sich der Unterschied im Streben der Fremden, die sich nirgends ansiedeln können, verstehen. Bei Wolf hinterlassen die Sehnsucht nach einem festen Ort und der Schmerz über dessen Unerreichbarkeit eine elegische Spur in ihren Texten. Bei Bernhard hingegen wird das Pendeln zwischen zwei Orten als ein leeres, aber nicht zu bremsendes Treiben verewigt. Das spiegelt sich auch in der Sprache wider. Bernhards (männliche) Protagonisten reden ohne Ende, und ihre Sätze sind ausgesprochen lang und voller monotoner Wiederholungen, während die Frauen meistens verschweigen. Da-durch zeigen sich zwei Sprachen bei den Fremden. Während die Leere der Rede aus dem Alleinsein und der Angst davor folgt und daher als Ersatz fir die fehlende Kontaktmöglichkeit erscheint, fungiert das (weibliche) Schweigen als ein möglicher Widerstand, so wie es sich bei der Perserin in Ja zeigt. Das gilt auch für die Fremden bei Wolf. Das Verschweigen der Figuren (Kleist, Günderrode und Kassandra) signalisiert die Nichtübereinstimmung mit der gegebenen Norm ihrer Gesellschaft, bis sie endlich ,Nein` sagen (Kassandra und Medea). Diese Form der Sprache der Fremden steht im Gegensatz zu der Sprache der Herrschenden, nämlich der instrumentell eingesetzten Sprache, und zählt insofern zur „andere[n] Sprache (...) als eine[r] jede[n] öffentliche[n] Verlautbarung.” (V 114) Will man die Unterschiede zwischen den beiden Autoren erklären, so dürfen die jeweils unterschiedlichen politischen Bedingungen in der DDR und in Osterreich nicht übersehen werden, besonders, was die Aufarbeitung des Faschismus anbelangt. Antifaschismus war in der DDR „als Legitimationsbonus des Staates”, „als zentrales Sinnkonstrukt und Loyalitätsfalle zugleich"296 Programm, das totalitäre Regime veranlaßte aber die kritischen Schriftsteller wiederum, sich mit diesem Antifaschismus auseinanderzusetzen. Wolfs Kindheitsmuster etwa berührt das Tabu in der DDR, indem es dort um die Verdrängung der faschistischen Vergangenheit bei den Individuen geht. Die Fremdheit bei Wolf bezieht sich auch auf die Wahrnehmung des Faschismus im Alltag und die Verwirrung darüber, daß die Basis des Sozialismus in der DDR fragwürdig wird Diese schwierige Einsicht veranlaßt wohl die Autorin, einen neuen Sinn zu suchen und zu deuten, ohne auf den Sozialismus zu verzichten. Daher finden sich in ihren Werken nicht selten gesellschaftliche Entwürfe. Bernhard beschreibt konsequent, bis zu seinem letzten Theaterstück Heldenplatz, daß die österreichische faschistische Vergangenheit immer noch präsent ist: Er spricht von dem ,katholisch-nationalsozialistischen' Land, in dem Sinne, daß es in Österreich nach dem Jahr 1945 keinen wirklichen Bruch mit dem Anschluß an das ,Dritte Reich' gegeben hat. Die Fremdheit bei ihm greift auf die Verlassenheit von den Eltern und die furchtbare Disziplinierung durch die staatlichen Institutionen zurück. So verneint er jegliche Form von Macht und deren Ordnung und verfügt über keinen alternativen Entwurf, sondern ihm bleibt nur die ,Auslöschung` dessen, was zu ihm gehört, etwa seine Familie und sein Land. Das ermöglicht es ihm, sich über seine Landsleute lustig zu machen und über sein Land zu spotten. Die Ergebnisse meiner Arbeit seien hier folgendermaßen zusammengefaßt: Erstens wird das Phänomen der Fremdheit bei Wolf im Zusammenhang mit der Kritik an der Moderne beleuchtet. Insbesondere dürfte der von mir herausgearbeitete Aspekt der Ambivalenz der Fremden als mögliche Erklärung für Wolfs eigene ambivalente Haltung der DDR gegenüber heranzuziehen sein. Zweitens beleuchtet die Kontrastierung von Wolfs und Bernhards Werken unter dem zentralen Aspekt der Fremdheit die unterschiedlichen Reaktion beider Schriftsteller angesichts des Problems der Moderne im 20. Jahrhundert, der Entfremdung des Menschen in der DDR und in Österreich durch die instrumentalisierte Vernunft. Drittens könnte diese Arbeit auch dazu beitragen, über das literarische Exempel den soziologischen und psychologischen Ein- und Ausschließungsmechanismus erkennbarer zu machen und damit verstehen zu helfen, daß das Akzeptieren der Differenz und die Geduld wichtige Voraussetzungen für das Zusammenleben mit Fremden sind. So wäre es wünschenswert, daß diese Arbeit unter interdisziplinärem Interesse auch außerhalb der Literaturwissenschaft gelesen würde: für ein besseres Verständnis des Fremden und des Eigenen.


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